10 years ago: Telefonat mit einem Kunden. „Ähm, also, es ist so …“, versuche ich zu erklären. Ich winde mich wie ein Aal, damit ich „es“ nicht aussprechen muss. Was soll er auch von mir denken? Also erfinde ich schnell eine Ausrede auf seine konkret gestellte Frage.

Ich weiß, nicht schön, aber was will man machen, wenn man in der Lebensgeschichte ein Tabu kleben hat, das damit sofort auffliegen würde.

Tabus aussprechen? Never! Schon gar nicht als Unternehmerin. Die Leute könnten ja denken, ich bin nicht ganz dicht.

Heute: Tja, heute bin ich eine Tabubrecherin, wenn man so will. Immer schön offen raus mit dem „Tabu“, denn genau das Gegenteil ist der Fall. Die Menschen reagieren positiv, teils mit Hochachtung, so manchen beflügelt meine Geschichte – und sie ist Bestandteil meiner Marke und damit auch meines Personal Brandings. Meine Stärken, Gaben und jetzige Persönlichkeit sind daraus erwachsen, es macht mich einzigartig.

So gesehen ist dieses Tabu in meiner Historie ein riesiges Geschenk. Vielleicht hast du ja auch eines?

 

Lebensgeschichten, die spannender als ein Krimi sind

„Ulrike, sitzt du? Meine Story hat es in sich.“ Kleine Warnung eines Kunden vor unserem Interview. Wenn er wüsste, was ich schon alles gehört habe – von der Drogenabhängigkeit bis zum völligen beruflichen Scheitern. Es gibt (fast) nichts, was mir noch nicht untergekommen wäre. Nachfolgend drei Unternehmer-Persönlichkeiten, die ihr Tabu ganz offen kommunizieren:

 

1. Stuart Truppner:

In den Slums von Brooklyn aufgewachsen. Völlig verdreckte Wohnung, Ratten, anderes Ungeziefer in den Räumen, Messerstechereien auf der Straße, Elend. Nicht gerade etwas, über das man als bekannte Persönlichkeit in der Aktienbranche frei raus sprechen würden. Stuart legte aber gerade aufgrund seiner Geschichte eine Karriere hin à la „Vom Tellerwäscher zum Millionär“ – zuerst als Basketballprofi in der NBA und danach als einer der erfolgreichsten Aktienexperten. 

 

2. Ralf Brenner:

„Sie haben allenfalls noch ein paar Wochen“, prophezeite ihm sein Arzt. Mehrere schwere Erkrankungen, er außerdem abhängig von drei Suchtmitteln, Existenz futsch, Geld weg, Ehefrau weg, alles weg. Das ist jetzt 15 Jahre her. Dank einer bahnbrechenden Erkenntnis holte er sich da selbst raus, änderte sein Leben komplett. Heute ist er Mentor, Speaker, Buchautor, Coach und dieses Tabu unmittelbarer Mittelpunkt seines Business.

 

3. Gabi Laszinger: 

Bereits mit Anfang dreißig sehr Erfolg in ihrem Herzensbusiness. Zwei Jahre im Voraus ausgebucht, trotzdem unglücklich. Rutscht dann in eine tiefe Depression, nimmt sich eine Auszeit in Indien und Nepal mit dem Ziel, es möge dort die Erleuchtung über sie hereinbrechen. Doch es kam anders. Drei Kinder am Straßenrand veränderten ihr Leben. Sie kehrte nicht mehr nach Deutschland zurück, sondern eröffnete in 1999 (unter Morddrohungen und vielen Strapazen) ein Kinderheim in Nepal – inzwischen sind es zwei. Für ihr Engagement wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 

 

 

Vorbild und Weisheitsquelle

Alle Tabubrecher haben eines gemeinsam: Sie sind Weisheitsquelle für andere. Was führte sie in die Krise und wie fanden sie eine Lösung für sich im Umgang bzw. zur Veränderung. Dahinter stecken kraftvolle Strategien, die sie (zunächst oft unbewusst) für sich selbst entwickeln konnten. Eine Bereicherung für die Welt!

 

Wenn ich dran denke, wie mir früher die Knie schlotterten bei einem Telefonat wie oben beschrieben

©Rüdiger Lutz

 

„Können Sie bei uns bitte vorbeischauen?“ Eine simple Kundenanfrage für ein Gespräch oder Meeting im Unternehmen, die ich selten mit „Ja“ beantworten konnte.

Tja, da sitzt du dann als Unternehmerin, die ihre Sache recht gut macht, Expertin und Profi in ihrem Bereich ist – der es aber Schweißperlen auf die Stirn treibt bei dem Gedanken, irgendwohin zu einem Gespräch oder Meeting außer Haus aufzubrechen. Wie soll ich meinen Kunden das erklären?

 

„Hallo, ich habe Angstzustände, ich kann leider nicht kommen!“

 

Was sollen die Leute da von mir denken? Da ist die Schublade schneller auf, noch bevor ich die letzte Silbe gesprochen habe. Dachte ich jedenfalls. Ist in der Realität aber gar nicht so. Zumindest dann nicht, wenn man selbstbewusst damit um- und trotz des Tabus bzw. „Makels“ stolz erhobenen Hauptes durchs Leben geht.

Kein Mensch würde heute je darauf kommen, dass ich immer noch damit zu tun habe. Wenn auch nicht mehr so intensiv wie früher. 

 

„Du hast was? Glaub ich nicht!“

 

Die Leute fallen vom Glauben ab. Tolle Fotos von mir allseits zu sehen – meinem Ehemann und „Hausfotografen“ Rüdi sei Dank. Man erlebt mich voller Power, Begeisterung, mein Humor reißt mit, genauso wie meine Macher-Qualität. Man kann sich auf mein Wort verlassen, mein perfektes Zeitmanagement ist mir im positiven Sinne fast schon unheimlich und wenn ich jemand als top zuverlässig bezeichnen würde, dann mich selbst – nur eben alle Termine außer Haus, die sind für mich bisweilen halt schon eine echte Herausforderung.

Doch es gibt ja glücklicherweise viele digitale Möglichkeiten, die auch noch nachhaltig sind: Meine Interviews laufen per Zoom oder Skype in einem gleichwertig vertrauensvollen Rahmen ab, als würde ich den Leuten tatsächlich gegenübersitzen. 

 

Geniale Strategien und Stärken

Alle eigenen Stärken selbst zu erkennen, ist mitunter schwierig. Was ich früher für eine beschämende Schwäche hielt, ist in Wahrheit eine astreine Stärke. Anderes wiederum, das mir entsetzlich „normal“ vorkam, nahm ich gar nicht mehr ernst. Ich dachte, das ist bei allen so. Bis mir so manches Gegenüber spiegelte, dass das grandios einzigartig sei. Ja, es gab viel zu lernen in den letzten Jahren.

Ähnliches erlebe ich in meinen Interviews. Allesamt hochreflektierte Menschen, die eine große persönliche Entwicklung hinter sich haben und diese ihre Lebensgeschichten schreiben lassen wollen. Ihnen ist durch diesen Prozess sehr wohl klar, was sie ausmacht und wie ihre genialen Strategien im Umgang mit der Lebenskrise aussehen.

Ich bin dann diejenige, die aus dem bücherfüllenden Stoff an Erfahrungen die wichtige Quintessenz herausfiltert – und das Ganze so in Worte kleidet, dass die Leser bestenfalls dabei schmunzeln, Leichtigkeit spüren, sich auf unterhaltsame Weise inspiriert fühlen und an mancher Stelle vielleicht sogar wiedererkennen.

 

Das Wertvolle in schweren Geschichten erhält so seine Anerkennung in der Gesellschaft und bringt uns unseren Kunden, Mitarbeitern, Geschäftspartnern ganz nah.

 

Falls es in deiner Historie also auch Tabus gibt, große und kleine Krisen, Misserfolge, Tiefschläge, eine schwere Kindheit oder was auch immer – sprich darüber und lass uns daran teilhaben. Wir können viel von dir und deiner Lebensgeschichte lernen.

 

 

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