Heute morgen: Susannes gesponserte Anzeige flattert mir vor die Nase. Es geht um deren tolle Social Media Strategie für mich, mit der ich meinen Umsatz vervielfachen kann.

 

Man kennt das ja: Danach zählt sie noch die schlimmen Fehler auf, die ich jeden Tag begehe. Das Geheimnis: authentisches Marketing. Na, das ist ja nix Neues.

 

Ich gucke ihr Video an. Wie lustig! Susanne liest ihren Text verstohlen vom Papier ab, denn alle 10 Sekunden schwebt ihr Blick unauffällig nach links. Wirkt so authentisch wie ein Elefant auf Schlittschuhen und klingt noch viel schlimmer. 

 

Eine ähnliche „Mogelpackung“ ist mir neulich im Drogeriemarkt in die Hände gefallen. Ein Mini-Behältnis an Shampoo, knapp sieben Euro teuer. Es soll aber total speziell, biologisch, sanft zum Haar, anders als alle anderen sein.

 

Nach der ersten Haarwäsche stelle ich fest: Uaaah! Viel Wind um nichts, das Shampoo ist furchtbar und die sieben Euro jetzt futsch.

 

Wenn du deine Social Media Strategie in keine Mogelpackung hüllen willst und Alternativen suchst: In diesem Artikel findest du einige davon.

 

 

„In zehn Schritten zur supidupi Social Media Strategie“, befeuert Susanne ihr authentisches Marketing. Das muss man erst mal verstehen. Ich jedenfalls komme da nicht mit.

 

Da ist also eine Susanne, nennt sich Fachfrau für eine authentische Social Media Strategie. Diese Dame jedoch liest ihren gesprochenen Text beim Videodreh ab. Das macht sie „heimlich“ und auch noch verdammt schlecht. Denn jeder kriegt sofort mit, dass ihre Augen nach zwei Sätzen hilflos einige Millimeter auf die linke Seite spicken.

 

Damit hat Susanne zu 100 % das Gegenteil von dem bewiesen, was sie mir verkaufen will.

 

Das können Susannes Testimonials unterhalb des Videos jetzt auch nicht mehr rausreißen, denn ich würde mir auch von keiner Friseurfachkraft die Haare schneiden lassen, die selbst einen offensichtlichen Besen auf dem Kopf trägt. Ne ehrlich, da krieg ich ja Angst.

 

Mehr solche Storys „digitalen Irrsinns“ findest du in diesem Büchlein:

 

Social Media Strategie erarbeiten

 

 

Zum Inhalt des Susanne-Videos:
Ich muss mich sehr anstrengend, die vollen 20 Minuten bis zum Ende anzuschauen. Parallel wird der abgelesene Text haarklein so, wie Susanne ihn spricht, schriftlich auf dem Video mit eingeblendet. Satz für Satz.

 

Entweder, das ist jetzt eine zusätzliche Social Media Strategie oder Susanne geht davon aus, dass sie es lieber ganz, ganz einfach macht. Vorsichtshalber – falls ihre Zuschauer alle ein bisschen dumm sind.

 

Dumm finde ich an der Sache eher, dass Susanne mich für dumm verkaufen will. Sie verkauft mir den Inhalt als bahnbrechend. In Wirklichkeit lässt mich ihr Auftritt allerdings mit deutlichem Verständnisproblem zurück.

 

Im Prinzip erzählt sie mir sinngemäße Weisheiten wie diese:
Der Himmel ist blau, manchmal gibt aber auch Wolken dort oben, aus denen Regen tropft, im Winter wiederum Schnee. Und Heiligabend ist jedes Jahr am 24.12.

 

#1 Die passende Social Media Strategie:
Es muss deine sein!

 

Wie du deine perfekte Social Media Strategie findest

© Rüdiger Lutz

 

Susanne hat einen 10-Schritte-Plan für mich erarbeitet. Der gilt pauschal für alle, die mit ihr arbeiten und ihren Umsatz vervielfachen wollen.

 

Verstehe ich nicht recht, wo ich doch Uli bin und nicht Susanne. Wie können zehn völlig pauschale Schritte also für mich authentisch sein? Liebe Susanne, da widersprichst du dir als Fachfrau ja schon wieder.

 

Damit die Sache für mich noch interessanter klingt und ich anbeiße, überreicht Susanne mir drei virtuelle Blumensträußchen – in Form von Bonus 1, 2 und 3 (wenn ich buche).

 

Es kursieren einige Binsenweisheiten im Netz. So z.B. auch die, dass du die nur 10 Schritte von Experte soundso durchlaufen musst oder die Checkliste ausfüllen – schwupp hältst du deine perfekte Social Media Strategie in den Händen.

 

Ich halte alle diese Binsenweisheiten für falsch:

 

  • Pauschale Schritte oder Checklisten – können nie zu einem persönlichen Ziel führen. Eine Social Media Strategie sollte ganz individuell auf dich, dein Unternehmen, deine Ziele, deine Zielgruppe angepasst sein.
  • Social Media ist Chefsache – wirklich professionelle Strategien sind zeitaufwändig in der Umsetzung. Kein Inhaber, Selbstständiger oder Chef hat diese Zeit oder das Wissen, um sich alleine darum zu kümmern.
  • Social Media geht easy nebenbei – siehe oben.
  • Ohne Social Media geht’s heute einfach nicht mehr – oh doch! Es gibt genügend Unternehmen, die andere Strategie verfolgen, frei von Social Media, und das sehr erfolgreich!

 

#2 Die passende Social Media Strategie:
Was willst du wirklich?

 

© Kelly Sikkema by unsplash

 

Frage: Ödet dich der Social Media Hype?

Vielleicht solltest du dann auf andere Strategien außerhalb von Social Media setzen, die besser zu dir passen. Schluck! Ganz ohne Social Media? Geht das überhaupt? Der schwäbische Federnhersteller Gutekunst beweist es: mit hochkarätigem Content Marketing, SEO-optimiert, ausschließlich über den unternehmenseigenen Blog – ohne auch nur einen einzigen Socialkanal dafür zu nutzen.

 

Gegenfrage: Liebst du Social Media?

Na, dann los. Am besten klärst du vorab das Zeitmanagement. Also wer im Team kann sich später regelmäßig langfristig um Content usw. kümmern.

 

Tipp:
Ich würde mir zur Erarbeitung der Strategie einen externen Profi mit ins Boot holen. Warum? Weil wir für eigene Belange relativ betriebsblind sind und selten die nötige Expertise aufweisen – allenfalls Halbwissen. Denn:

 

ERST DIE STRATEGIE – DANN KANÄLE  UND CONTENT

 

Dabei klären sich Fragen wie:
Wen will ich wie erreichen? Wo tummelt sich meine Zielgruppe überhaupt, wie tickt die Zielgruppe, wie passt das alles zu meinen/unseren Werten? Je authentischer du in deinem Auftritt bleibst (anders als Susanne), desto mehr wirst du mit deinem späteren Content auch deine Zielgruppe anziehen – die Menschen also, die dieselben Werte und Visionen haben wie du und dein Unternehmen.

 

 

#3 Die passende Social Media Strategie:
Das Personal Branding als Basis

 

Braucht es eine Social Media Strategie?

© Rüdiger Lutz

 

Facebook oder was jetzt? Oder doch lieber LinkedIn? Der Kanal ist erst mal so unwichtig wie die Frage, welcher Wochentag wohl der 6.7.2023 sein mag.

  • So lange du deine Werte nicht kennst, kennst du deine Zielgruppe nicht.
  • So lange du deine Botschaft, dein Warum nicht kennst, weiß die Welt auch nicht, warum sie dich braucht. Siehe Simon Sinek und der Golden Circle.

 

Schon mal gehört? Dabei geht es um folgende Fragen:

  • Was machst du genau?
  • Wie machst du es?

 

Gut, wenn dir die Antworten schon klar sind. Das Problem an der Sache: Es gibt massenhaft Wettbewerber, die dieselben Probleme auf dieselbe Weise lösen. Und jetzt?

 

Hier kommt dein Warum ins Spiel. Hoppala, dein Warum macht dich in deinem Wie und Was erst einzigartig.

 

Damit kannst du deiner Zielgruppe Gänsehaut verursachen. Die entsteht immer dann, wenn Menschen dieselbe Haltung und Visionen haben. Die Susanne-typischen Marketingausuferungen werden damit unnötig wie ein Sonnenstudio in der Sahara.

 

 

#4 Die passende Social Media Strategie:
Geheimtipp Community Management

 

© Priscilladupreez by unsplash

 

Kostenfreie Facebook-Gruppen sind in puncto Social Media Strategie so eine Sache. Entweder, es wird sich via Kommentar die Köpfe eingehauen oder die Gruppe als reine Werbe-Selbstinszenierung missbraucht. Manchmal auch so, dass ich das als Mitglied der Gruppe erst mal nicht merken soll. Oder anders gesagt: Es findet ein ausgeklügelter Funnel statt, der in der Facebook-Gruppe seinen Anfang nimmt.  Wer das für sich mag – okay. Mein Ding ist das nicht. Es passt nicht zu mir und meinen Werten.

 

Anderer Fall, keine Gruppe, sondern die Unternehmenspage auf Facebook. Größere Unternehmen haben das Community Management dort meist schon für sich entdeckt – mit teils mangelhafter Ausführung:

 

User Bernd schreibt unter einen Post des Unternehmens soundso:

„Hey Unternehmen Müller-Meyer, ein klasse Produkt. Ich hätte da mal eine Frage. Wie ist das mit soundso?“

 

Der meist recht lieblose Kommentar darunter:

„Danke für dein Feedback. Mit soundso verhält es sich soundso!“

 

Pfffft. Das reißt keine Community vom Hocker und bringt erst recht keine echte Begeisterung rüber. Umgekehrt hast du den Jackpot gezogen, wenn du deine Community formvollendet bei Laune hältst. Warum, erklärt sich gleich.

 

Die Macht deiner Community: Wirkt stärker als jede Marketing-Aktion!

 

Mein Mann, meine erwachsene Tochter und ich – auch eine Art kleine Community. Wir halten zusammen wie Pech und Schwefel. Eine Community auf Social Media ist nichts anderes, nur größer. Dabei kannst du so ziemlich alles falsch machen und die Leute vergraulen – im umgekehrten Fall aber auch den Sog des „Pech und Schwefel“ erzeugen.

 

Beispiel:
Du bist verheiratet. Kaum kommt dein Partner von der Arbeit nach Hause, dreht sich alles nur noch um dich. Du prahlst, wie gut du kochen kannst.

„Schatz, meine Kochkünste, meine Güte, die sind so geil. Und dann wäre ja noch mein Aussehen. Hach, was für schöne Haare und Hände und Füße ich habe. Mein Popo ist auch der Hit. Übrigens, falls du das noch nicht bemerkt haben solltest: Ich bin der beste Lover national wie international mit 30-jähriger Erfahrung.“

 

Ich, ich, ich.

 

Spätestens nach einer Woche bist du Schatzi los. Wenn sich in deiner Community auch immer alles nur prahlend (werblich) um dich dreht, werden es die User nicht lange bei dir aushalten. Richtig gutes Community Management wiederum vermittelt den Usern, dass sie im Mittelpunkt stehen. Dass du dich für sie ehrlich interessierst und sie dir wichtig sind. Das bedingt beispielsweise auch sehr viel kreativere Kommentare als im Beispiel Bernd von oben.

 

Erst alles das in seiner Vollendung setzt eine Lawine an Begeisterung in Gang, die von User zu User überschwappt. Wenn deinem Unternehmen das gelingt, dann Gratulation: erwähnter Jackpot für dich/euch!

 

Ich kenne nur wenige Community Manager, die das vorzüglich beherrschen. Ariane Brandes ist eine davon. Wenn du mehr zum Thema erfahren willst, findest du viele Infos dazu in ihrem Blog.

 

 

#5 Die passende Social Media Strategie:
glaubwürdige Geschichten erzählen

 

© Calum MacAulay by unsplash

 

„Und der Zauberer nimmt sein Logbuch in die Hand. In diesem blättert er gedankenverloren, um die heutige Tagesaufgabe zu suchen. Ah, hier der Eintrag. Der Zauberer legt seinen blauen Zauberstab beiseite, setzt sich in seinen Zaubersessel und stellt schon mal seinen Zaubertrank parat. Aufgabe heute: Du sollst storytellen. Verdammt, jetzt erzähl doch irgendeine Geschichte! Egal, wie blödsinnig sie auch ist.“

 

Kein Witz. Ähnliche spacy Geschichten habe ich im Business-Kontext schon gelesen. Vermutlich hat der Verfasser irgendwann davon gehört, dass Storytelling in keiner Social Media Strategie fehlen darf. In diesem Punkt hat er 100 Punkte gelandet – bei der Ausführung jedoch leider die goldene Himbeere des Geschichtenschreibens gewonnen. Wenigstens was.

 

Trara, damit sind wir bei meinem Expertengebiet angekommen. Ich sehe die Sache unkompliziert wie pragmatisch mit folgenden Inspirationen für dich:

 

Haltung zeigen:

Es braucht kein an den Haaren herbei gezogenes Drehbuch von Zauberern aus einer anderen Welt. Es reicht, wenn du Haltung zeigst und schreibst, wofür du stehst –so wie ich in diesem Artikel. Auch das ist „Story“, sofern du ein lockeres Wording dafür wählst.

 

Methapern integrieren:

Metaphern lockern auf und erzeugen Bilder im Kopf. Beispiele in diesem Artikel:

 

  • „Wirkt so authentisch wie ein Elefant auf Schlittschuhen und klingt noch viel schlimmer.“
  • „Ich würde mir auch von keiner Friseurfachkraft die Haare schneiden lassen, die selbst einen offensichtlichen Besen auf dem Kopf trägt.“
  • „Der Himmel ist blau. Manchmal gibt aber auch Wolken dort oben, aus denen Regen tropft, im Winter wiederum Schnee. Und Heiligabend ist jedes Jahr am 24.12.“

 

Kurze Szenen beschreiben:

Jeder von uns erlebt jeden Tag so viel. Wir sehen nur nicht, wie wunderbar die scheinbar banalen Alltagsszenen sind, um sie in deiner Social Media Strategie als Content zu platzieren. Beispiele in diesem Artikel:

 

  • Als ich im Drogeriemarkt stehe
  • Als mir Susannes Anzeige vor die Linse fliegt
  • Wie sie ständig verstohlen nach links schielt, um ihren Text abzulesen

 

Mit einer Prise Humor und Augenzwinkern: 

 

Der Vorteil ist: Du kannst damit auf unterhaltsame Weise Dinge ansprechen, ohne mit erhobenem Zeigefinger durch Social Media zu marschieren. Humorvolle, lockere Unterhaltung transportiert Botschaften ganz wunderbar. Es macht Spaß, das zu lesen, bringt Leichtigkeit und die Leute erinnern sich an dich.

 

Beispielkommentar auf eine meiner Storys:

„So ein toller, nahe gehender und berührender Artikel in einer fluffigen Sprache! Klasse!“

 

Mein Fazit für dich:

10-Schritte-Pläne links liegen lassen, lieber einen wirklichen Experten mit ins Boot holen und immer wieder fragen: Was will ich wirklich? Mein Artikel enthält daher keine pauschalen Tipps oder Anleitungen, sondern Inspirationen für neue Blickwinkel zum Thema.

 

Gutes Gelingen bei Erarbeitung und Umsetzung deiner Social Media Strategie wünsche ich dir!

 

 

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