Eine gute Unternehmensgeschichte zu erzählen ist wie ein Schlückchen Sekt im Gaumen zu spüren. Es prickelt! Nur Fakten zum Besten zu geben gleicht dagegen dieser Szene:

1983 in einem schwäbischen Dorf. Es ist Donnerstag, noch recht früh am Morgen, Physikunterricht, grmpf.

Thomas aus Reihe 3 bewirft Jürgen mit einer Papierkugel.
Susi knabbert lautstark Erdnüsse und malt nebenbei Blümchen auf ein Blatt Papier.

Und ich bequatsche mit meinem Sitznachbarn Stephan, was man am Wochenende gemeinsam mit der Clique unternehmen könnte.

Alle Schüler machen irgendwas. Nur eben nicht zuhören.

Lehrer Adelbert ist tapfer. Er probiert’s mit noch mehr Erklärungen – leider so langweilig, dass dabei sogar die physikalische Versuchsanordnung auf dem Lehrerpult gähnen muss.

Wir Unternehmer erzählen ja quasi auch ständig: auf der Website, in Blogartikeln, Social Media, bei Events usw. Blöd nur, wenn wie bei Adalbert keiner zuhört – weil es zu informell ist, keine Spannung, null Unterhaltungswert, emotionslos. Das kannst du ändern, indem du auf allen Kanälen deine Unternehmensgeschichte ins Spiel bringst. Und die hat jeder, auch du! Dazu brauchst du dir keinen abbrechen, denn das geht recht einfach. Ich zeige dir, wie.

 

Unternehmensgeschichte? Äh, was soll ich‘n da schreiben?

 

Ich mag einfache Lösungen. Also keine Wissenschaft für Dinge, die man auch simpel angehen kann. Mein Zahnbürstenhersteller hat das wohl noch nicht begriffen.

Bis ich meine neuen Zahnbürsten aus der Packung geschält habe, brauche ich ein Messer, eine Schere, zwei Macheten und einen Presslufthammer. Furchtbar, diese Verpackungen. Das geht doch alles viel einfacher, liebe Hersteller.

Bei Unternehmensgeschichten ist es ähnlich.

Natürlich könntest du deine Unternehmensgeschichte jetzt in der klassischen Storytelling Methode etwas „wissenschaftlicher“ angehen. Dich dabei in der Heldenreise üben, mit verschiedenen Archetypen auseinandersetzen und anderen anspruchsvollen Themen.

Willst du das? Ich will’s nicht. Obwohl ich ja selbst Storytellerin bin. Nur anders.

Kleines Outing: Ich habe mich in puncto Unternehmensgeschichten auf eine andere Form des Storytelling spezialisiert. Wie ich finde, eine sehr schöne Methode, die ebenso, bääähm, Wirkung zeigt.

 

Erzähl einfach etwas von dir, z.B.:

  • Welche Herausforderungen du wie bewältigen konntest
  • Welche Haltung und Meinung du zu bestimmten Themen in deinem Business hast
  • Von einem Wendepunkt in deinem Leben
  • Welche Projekte bzw. Jobs in früheren Jahren waren richtig schlimm für dich und warum
  • Was ist typisch „du“ und würdest du so nie und nimmer an dir ändern wollen
  • Welche Stärken tragen dich durchs Leben und warum

 

Was ist an einer Unternehmensgeschichte anders, wenn sie gut erzählt wird?

Fakten sind wie Nudeln ohne alles. Sie machen zwar satt, sind aber schon recht öde. Auf das Ganze etwas Olivenöl, Parmesan und Schinkenwürfel, schön mit Basilikum garniert. Hm, lecker. Oder mit deftigen Hackfleischklößchen und Tomatensoße. Ja, mit alledem kriegen die trockenen Nudeln erst so richtig Schmackes. Und ich wette, dir ist beim Lesen bereits das Wasser im Munde zusammengelaufen.

Die Fakten eines Unternehmens sind in dem Fall die trockenen Nudeln (oder der Physikunterricht).
Die Köstlichkeiten drum herum wiederum deine Unternehmensgeschichte.

Okay, vielleicht passt die Metapher jetzt nicht zu 100 %. Aber immerhin hast du jetzt ein Bild davon im Kopf und vermutlich sogar vermehrten Speichelfluss.

Experten bewerten eine gut verfasste Unternehmensgeschichte sogar als wertvolles Unternehmenskapital. Dazu komme ich gleich.

 

Unternehmensgeschichte okay – aber welche Inhalte nun genau?

© Patrick Tomasso by unsplash

 

Dazu vielleicht erst einmal die Definition. Was ist eine Unternehmensgeschichte? Werdegang, Unternehmerporträt oder was? Im Prinzip alles – und noch viel mehr:

 

  • Stationen deines Unternehmens (Tradition und Historie)
  • Mitarbeiter, ihr Wissen und Können, ihr Weg im Unternehmen
  • besondere Highlights / besonderes Wissen
  • Werte
  • Stärken des Unternehmens bzw. von dir allgemein
  • das Warum im Sinne des Golden Circle // Simon Sinek
  • eine konkrete Haltung bzw. Meinung zu bestimmten Themen
  • deine Gründungsstory

Beispiel #1 – die Unternehmensgeschichte als kurzes Porträt:

  1. Hans Martin Rolf
  2. Frank Pudel 

 

Beispiel #2 – die Unternehmensgeschichte als Historie:

Media Resource Group

 

Beispiel #3 – die Unternehmensgeschichte der einstigen Gründungsidee:

Stiefkind Apfelsaft 

 

Beispiel #4 – Unternehmensgeschichten als Content:

 

Eine kleine Story vorweg: Ich melde mich in LinkedIn an. Das mache ich eigentlich nur aus einem Grund: Da mein bisheriger Lieblings Socialkanal immer mehr in einen Dornröschenschlaf zu versinken scheint. Und 100 Jahre will ich ja nicht warten, bis mal wieder etwas Leben in das grüne X einkehrt.

Alternativen? Okay, dann probiere ich’s eben mal mit LinkedIn. Nach einigen Monaten des Experimentierens stelle ich fest: Juhu, alle wach beim blauen L – reiche Interaktion und Austausch.

Prima, hier bleib ich!

Ich erzähle dort in Artikel-Storys aus meinem Leben, das meist lustig. Oder ich nehme auf humorvolle Art etwas auf die Schippe, das mir auf den Geist geht. Ich beziehe Haltung und gebe meine Meinung wieder. Als Basisstation dieses Unternehmensgeschichten-Storytelling fungiert mein Blog. Von dort aus streue ich – auch in Richtung LinkedIn.

 

Dabei mehrten sich mit der Zeit Kommentare wie diese:

Ich danke Ihnen vielmals, liebe Ulrike. Ihre Artikel lese ich immer sehr gerne, weil mir Ihre Art zu schreiben, etwas auszudrücken, zu erzählen, “versteckte” Botschaften rüberzubringen, so gut gefällt. Mit Ihrer Haltung und Ihren Ansichten kann ich mich komplett identifizieren und finde mich in Vielem wieder, worüber Sie berichten.“

 

Und dass soll eine Unternehmensgeschichte sein?

Ja! In jedem Content-Artikel – sofern er storyhaft aufbereitet ist.

 

Also weg von:

  • rein sachlich-nüchternen Infos zu einem Thema

Hin zu:

  • dich als Unternehmer mit ins Thema einbeziehen – indem du Haltung zeigst, von dir erzählst, deine Meinung mitteilst. Es können auch Erfahrungen sein, schwierige Momente in deinem Unternehmerleben, Highlights oder Wendepunkte und gern auch eine Dosis Persönliches. Und bitte den Humor nicht vergessen. Humor verbindet Menschen, da alle gerne schmunzeln.

 

Eine spannende Unternehmensgeschichte schreiben. Leicht gesagt und geht bitte wie?

 

© Tumisu by Pixabay

 

Ich weiß, jetzt bist du vermutlich kein(e) Berufsschreiber(in) und ich kann dir viel erzählen. Für mich kein Ding, eine spannende oder humorvolle Geschichte zu schreiben. Wenn du im emotionalen Storytelling nicht ganz so geübt bist, hast du erst mal viele Fragezeichen im Kopf. Vor allem das eine hier:

Was muss ich tun, damit meine Unternehmensgeschichte unterhaltsam, emotional, spannend wird?

 

Inspiration #1 für deine Unternehmensgeschichte: Schreiben wie sprechen

 

Deine Unternehmensgeschichte

© Suju by Pixabay

 

“Hey Fiete, wie geht’s? Stell dir vor, hab mir gestern einen neuen Rasenmäher gekauft. Ich rolle das Ding hinters Haus auf unseren Rasen. Wird wirklich Zeit! Unser Gras steht so hoch, da würde eine mittelgroße Schafherde zwei Wochen von satt werden. Jedenfalls will ich den Mäher anschmeißen. Ich ziehe einmal kräftig am Startseil, da reißt es plötzlich. Ich fliege in hohem Bogen nach hinten und mit dem Allerwertesten direkt in Rosis Gemüsebeet. Die Salatköpfe sind jetzt platt und Susi redet kein Wort mehr mit mir.“

Wenn wir erzählen, malen wir das Gesagte instinktiv szenisch aus. Mach das doch einfach auch beim Schreiben. Sobald bildhafte Szenen ins Spiel kommen, freut sich das menschliche Gehirn, denn es hat eine Vorliebe für Bilder.

Falls du kleine Kinder hast, kannst du auch sie fragen. Kinder beherrschen das bildhafte Beschreiben perfekt und sind dabei herrlich pragmatisch.

 

Beispiele:

  1. „Ich habe Locken, Papa hat Locken, Mama hat nur Haare.“
  2. „Opa ist am Kopf barfuß.“ (Heyne Verlag, Cordula Weidenbach)
  3. „Oma hat Reservehaut am Arm“ (Goldmann Verlag, Enno Münster)

Fazit:

Schreibe deine Unternehmensgeschichte so, wie du sie auch erzählen würdest (oder frag einen Fünfjährigen, wie er das sieht.)

 

Inspiration #2 für deine Unternehmensgeschichte: Frag andere

 

Vorbereitung für deine Unternehmensgeschichte

© RyanMcGuire by Pixabay

 

Meine feste Überzeugung, diese eine Sache hier betreffend: „Ich bin so was von technikblond. Digitales, Technisches, ich versteh’s einfach nicht.“

Mit dieser Überzeugung gehe ich meinem Business nach. Doch auch als Schreiberin ist es wichtig, digitale Tools zu beherrschen, sonst bin ich aufgeschmissen. Sich digital schnell einfuchsen zu können, ist also ein Muss.

Im Rahmen meines Personal Branding-Prozesses falle ich bei einem Schritt fast vom Stuhl, so perplex bin ich. Ich frage meine Kooperationspartner, welche drei Stärken sie bei mir sehen. Einer antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Dein technisches Verständnis.“

Nachdem ich mich von dem Perplex-Schock erholt habe, denke ich einige Tage über seine Aussage nach. Er hat Recht! Mein falsches Selbstbild versperrte mir völlig die Sicht  und stimmte so gar nicht. Selbstbild – Fremdbild: Ein Phänomen, das uns übrigens alle betrifft.

 

Fazit:

Frag andere, wie sie dich sehen. Damit du für deine Unternehmensgeschichte nichts Wichtiges übersiehst.

 

Inspiration #3 für deine Unternehmensgeschichte: Komm zur Sache

 

Unternehmensgeschichte, komme zum Punkt

© Jelleke Vanooteghem by unsplash

 

Bei allem szenenhaften Ausschmücken deines Textes: Eine Unternehmensgeschichte sollte auf den Punkt kommen. Eine Enzyklopädie deines gesamten Lebens oder Wissens will keiner lesen. Das bedeutet die immer wiederkehrende Frage: Was kommt rein und was bleibt weg?

Keine leichte Entscheidung. Man trennt sich ungern. Geht mir immer so, wenn wir mal ein paar Tage wegfahren. Hm, die schwarze Hose vielleicht noch und das blaue Shirt? Auf jeden Fall das blaue Shirt! Ein Buch, ja ein Buch muss unbedingt ebenso mit. So geht das ständig, bis meine Liste ellenlang ist und mein Mann mich fragt, ob ich auswandern will.

Im Grunde kommt man mit dem Wesentlichen am besten klar, sonst verzettelt man sich bloß. Deine Leser auch, wenn sie eine Unternehmensgeschichte lesen, die nicht zum Punkt kommt.

 

Fazit:

Fokussiere dich in jeder Unternehmensgeschichte auf einen Hauptkern mit ein paar wenigen Anekdoten drum herum. Und das schmücke emotional szenenhaft aus.

 

Der Wert deiner Unternehmensgeschichte: ein kleines Schätzchen!

© Pezibear by Pixabay

 

„Gratuliere dir zu deinem Schätzchen. Zeig mal her!“ Die meisten Unternehmer denken bei dem Satz bestimmt „Was will die Frau von mir?“.

Dein wertvollstes Gut sehen!
Und was soll das sein?

Deine Erfahrungen und damit deine Unternehmensgeschichte – in allen Facetten, bitte!

Wenn du als Unternehmer schon ein paar Jahre auf dem Markt bist, hast du in jedem Fall ein Schätzchen im Keller. Wird Zeit, das ans Tageslicht zu holen. Zufällig interessieren sich Kunden wie Mitarbeiter brennend dafür.

Dein Wissensschatz resultiert zum Großteil aus wertvollen Erfahrungen. Ich könnte ein ganzes Buch über die meinen schreiben. Dies würde eine Mischung aus Krimi, Komödie, Thriller und Doku. Mit Szenen zum Weinen, zum Lachen, zum Bewundern und Kopf schütteln – die gesamte Palette aus allem. Wenn du Mitarbeiter hast, kommen diese Erfahrungen noch hinzu. Ein Eldorado an Schätzen und keiner weiß davon.

 

In diesem Sinne:

Schreibe deine Unternehmensgeschichte(n) und zeig dich damit. Viel Spaß dabei!

 

Wenn dir jetzt zum Abschluss noch nach lustiger Lektüre zumute ist, kannst du hier gucken und klicken gehen:

 

 

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