Hohe Absätze und ich. Oh je.

Ich finde die schon schön. Meine Füße leider gar nicht, sie tun sofort weh. Okay, ich zieh trotzdem welche an. Nur kurz. Wird schon nicht so schlimm werden.
Von wegen! Der Abend und meine Laune: völlig im Eimer.

Ähnlich fühlte ich mich früher, als ich jeden Auftrag angenommen habe – auch welche für bodenlos mickriges Honorar bei exzellenter Leistung. „Wird schon nicht so schlimm werden!“ Wird es aber, wenn die Art des Auftrags, der Kunde oder das Honorar nicht zu dir passt.

„Ich war jung und brauchte das Geld?!“  Ne, kann ich als Begründung so nicht mehr durchgehen lassen. Ich hatte die 40 bereits deutlich überschritten. Daran musste sich schnell was ändern, denn mir ging es seelisch gesehen immer schlechter damit. Also hieß es mal wieder mutig sein.

 

Die Tipps im Netz sind ja ganz nett

Alle überschlagen sich zum Thema und hauen flotte Sprüche und Ratschläge dazu raus. Dass du als Dienstleister dein Geld wert bist. Dass wenn du für Kunden gute Texte schreiben willst, auch selbstbewusst gute Honorare dafür schnüren sollst – und um Himmels Willen doch nicht jeden Auftrag annehmen. Nein, diese Kunden sollen doch froh sein, dass sie dich buchen dürfen.

Theoretisch alles richtig. Praktisch aber ist das bei vielen Menschen ein Prozess. Und wenn du ihn noch nicht bis zum Endziel geschafft hast, kommst du dir mal richtig blöd vor, wenn du das so eben nicht umsetzen kannst. Mir jedenfalls ging es damals so.

Ich wusste: Klaro, meine Ergebnisse sind erstklassig, ich bin super serviceorientiert und zuverlässig, kann gut mit Menschen umgehen, recht nett schreiben und auch kommunizieren. Was aber, wenn Lebensumstände bedingen, dass du gerade nicht so taff sein kannst? Wenig Ressourcen da sind, finanziell, vielleicht gesundheitlich oder anderweitig? Was, wenn du gerade private Sorgen hast, die dir alles abverlangen? Ja, dann steh mal hin und sage zu einem Auftrag: Nö, dich will ich nicht.

 

Also nahm ich so ziemlich alles an, was an Aufträgen reinkam. Mit bangem Herzklopfen bei Versand meines Angebots: Bloß nicht zu hoch pokern, weil: Es ist dringend.

 

Daher breche ich jetzt mal eine Lanze für alle diejenigen, die noch nicht ganz so weit sind, sehr gute Honorare durchzusetzen bzw. einen Auftrag abzulehnen, wenn der nicht zu ihnen passt. Und ich schicke damit gleich den nächsten Appell raus an jeden von uns. Lasst uns doch bitte von Herzen gerne ehrliche, gute Honorare zahlen für ehrliche, gute Arbeit. Ich kenne viele Menschen, die damit bereits achtsam umgehen. Man kann es aber ja nicht oft genug in die Welt hinausrufen.

Zurück zu meiner Unternehmensgeschichte, die in der Hinsicht ja glücklicherweise eine Wendung nahm. Was dazu führte? Ganz schlicht Persönlichkeitsentwicklung. Ich hatte eine wunderbare Coachin und dann ging’s ab mit Aufräumen“ innen drin. Hat sogar noch richtig Spaß gemacht! Ich wusste zwar, dass es da die eine oder andere Baustelle gibt. Aber auf so manchen Mist wäre ich ohne sie nicht gestoßen. Nichts wie weg damit.

Wenn ich mich so umgucke: Sieht inzwischen recht sauberle aus in meinem Inneren. Zumindest im Vergleich zu früher. Okay, diverse kleine Misthäufchen formieren sich teilweise noch. Ich weiß jetzt ja aber, wo die Mistgabel steht.

 

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