Nils, 19 Jahre alt, noch leicht grün hinter den Ohren. Er findet emotionales Marketing doof und will mir erklären, wie Erfolg geht.

Das macht er so: Er nennt sich auf den Socialkanälen „Person des öffentlichen Lebens“ (klingt wichtig).

Diese very important Person sitzt gerade im Auto und dreht ein Video – auch noch während des Fahrens. Dabei philosophiert er über seine reiche Lebenserfahrung und wie er mir dabei helfen kann, so erfolgreich zu werden wie er.

Die Szenerie muss deshalb in einem Auto stattfinden, um nebenbei anzugeben. Ist ja wohl klar, dass man auf dem Video (rein zufällig) erkennt, dass Nils in einer schweineteuren Nobelkarosse sitzt.

Ich will gar nicht wissen, wo er sich die für den hippen Videodreh ausgeborgt hat. Jedenfalls sieht der Grünschnabel darin so deplatziert aus wie ein Kanarienvogel in der Luxus-Modeboutique. Very glaubwürdig!

So lieber Nils, dann lass mal hören, was für bahnbrechende Methoden du dir ausgedacht hast.

Aha – soso!

Ne, kein emotionales Marketing, sondern … naja … eine Verzweiflungstat vielleicht? Oder Größenwahn …

 

Emotionales Marketing ist deshalb so wirksam, weil es sympathisch ist

Das kann man von Nils nicht behaupten. Er meint, wir würden ihn bestimmt kennen von der Fernsehsendung upppps. Ne, du, keinen Schimmer. Das geht wohl nicht nur mir so, denn sein youtube Channel scheint niemand zu interessieren.

Kaum Abonnenten, kaum Klicks auf seinem Video. Egal, Hauptsache Person des öffentlichen Lebens. Weiter geht’s mit seiner Erfolgsformel – ganz ohne emotionales Marketing natürlich.

Er redet dabei immer so komisch. Das kennt man sonst von Eltern, wenn sie bei ihren Kleinkindern in Babysprache verfallen. „Ey dutzidutzi, willst du mal gucken? Dutzi, kreisch, klick eieieiei den Link, der, boiiiing, hier unten eingeblendet wird.“ Dazu eine unnatürlich übertriebene Gestik, bei der ich mich frage: Was ist in Nils Kindheit bloß schiefgelaufen?

Lieber Nils, du hast sicher noch nix von emotionalem Marketing gehört?

Würde ich ihm am liebsten zurufen. Aber er ist einfach zu sehr mit seinem Erfolg beschäftigt, um sich mit mir über emotionales Marketing zu unterhalten.

Ein anderes Video von Nils. Für das hat er sich einen schicken runden Holztisch ans Meer geschleppt. Darauf steht sein Laptop und in das guckt er rein. Natürlich sitzt er total cool davor, während im Hintergrund die Wellen rauschen. Keine Ahnung, wo Nils gerade ist, aber nicht mal gescheiten Sand gibt es an diesem Meer. Alles steinig und dreckig dort.

 

Wichtigste Erkenntnisse des Videos:

 

  1. Ich muss keine Rampensau sein wie Nils, wenn ich erfolgreich werden will. Er hat für alle die passende Strategie parat – leider keine einzige davon nach Machart emotionales Marketing.
  2. Ich muss Menschen mögen. Ja, das muss wirklich sein, sagt Nils, sonst wird das nichts mit dem Erfolg.
  3. Ich und auch alle anderen Menschen haben nur eine bestimmte Zeit pro Tag zur Verfügung (ja Nils, genau 24 Stunden). Deswegen sollten wir (das ist jetzt echt wichtig) alles sein lassen, was nicht unbedingt sein muss. Schlafen zum Beispiel oder Sport – Relaxen ist in dem Fall auch Gift. Weil: Die Zeit fehlt mir sonst, um mich um meinen Erfolg zu kümmern.

 

Die spannende Endphase von Nils Story findest du weiter unten in diesem Artikel. Davor erst mal schönere Geschichten, die das emotionale Marketing hervorbringt. Macht auf diese Weise eine Menge Spaß, wie ich finde. Dem Nils vielleicht nicht. Aber Menschen, denen Werte wichtig sind, schon.

 

Emotionales Marketing oldschool

 

Emotionales Marketing oldschool

© Rüdiger Lutz

 

Vor ein paar Tagen. Ich stehe am Briefkasten, aus dem mir wieder mal eine Tonne Werbeblättchen entgegenfliegt. Dazwischen … oh, was ist denn das? Ein von Hand beschrifteter Umschlag. Von Hand!!!

Eine Sensation im Jahre 2019!

Sonst liegen da nur andere Briefe drin rum: Rechnungen oder olle Werbung, und von denen ist garantiert keiner so liebevoll mit Hand beschriftet wie dieser Umschlag.

Ich sag nur: emotionales Marketing! Wirkt sofort, obwohl ich noch gar nicht weiß, wer mir da schreibt und warum. Gespannte Neugier kommt auf. Schnell hochflitzen und endlich nachschauen, von wem ich einen solchen Brief kriege. Auch noch in knallrotem Umschlag:

 

 

Lieber Rüdi (das ist mein Ehemann): Du musst dir keine Sorgen machen, ist kein Liebesbrief, sondern eine sympathische Wertschätzung von SUSANNE ROHR in Form einer schönen Doppelkarte. Susanne ist Marketingberaterin und auch eine, die auf emotionales Marketing statt auf Werbe-Gedudel schwört.

Wir haben uns vor zwei Tagen auf Social verkontaktet und da schickt sie mir einfach so als nette Geste eine Karte. Damit hat sie bei mir jetzt einen Stein im Brett.

 

 

Zwei Inspriationen für dich – emotionales Marketing oldschool:

Ich habe mir dazu einfach zwei kecke Sprüche einfallen lassen. Eine Grafikerin hat das alles schön gestaltet, und schon ist das Druckwerk fertig – emotionales Marketing für handverlesene Adressaten:

 

 

 

Zum Beispiel:

  • für Social-Kontakte
  • als Aufmerksamkeit für Kunden (Kundenbindung)
  • aufmerksamkeitsstarke Akquise per Post (wertschätzend!)
  • als Geburtstagsgruß
  • als Dankeschön

 

Es gibt so viele Gründe, jemandem einen netten, handschriftlichen Gruß per Karte oder Brief zu senden. Das ist für mich emotionales Marketing – frei von Massenabfertigung, sympathisch und menschennah.

 

Emotionales Marketing: Ran an die Fotos!

 

Jetzt hat vielleicht nicht jeder das Glück wie ich und zufällig einen Fotografen zu Hause sitzen. Außer, dass ich als Model regelmäßig für die kreativ-fotografischen Experimente meines Gatten herhalten muss, liefert er mir auch nonstop Bildnachschub für mein emotionales Marketing. Danke Rüdi!

Eigenes Bildmaterial ist emotionales Marketing. Doch was tun ohne hauseigenen Fotografen?

Ganz einfach: einen Fotografen buchen. Allein bei einem einzigen Shooting müsste ein guter Fotograf eine Menge kreatives Bildmaterial zaubern, das erst mal für eine Weile reicht. In Anbetracht der Wirkung ist das die Investition allemal wert.

 

Und für was die eigenen Fotos einsetzen?

  1. Für alle Social Kanäle
  2. Für Blogbeiträge
  3. Für die Webseite
  4. Für Karten, Printsachen in jeglicher Form

 

Alternative Möglichkeit, um an Fotos für dein emotionales Marketing zu kommen:

Selbst Fotos schießen – Handys bringen Fotos in recht guter Bildqualität zustande. Vielleicht eine Freundin, jemanden aus der Familie fragen und einfach mal ausprobieren? Oft sind bei diesen Schnappschüssen Marke Eigenkreation ganz nette Sachen dabei. Und den Rest kann man ja zum Glück schnell wieder löschen. Eignet sich zumindest für die Socialkanäle und den Blog – für die Webseite würde ich mich dann doch lieber auf das Können eines Profis verlassen.

 

Mein emotionales Marketing in puncto Blog-Fotos

 

Ich brande mich hier mit meinen Schwarz-Weiß-Fotografien. Ein eigenwilliges Vorgehen, aber einfach meins. Ich liebe Schwarz-Weiß-Fotos und unterscheide mich damit schon mal von der Masse.

 

Weitere Beispiele für emotionales Marketing mit eigenem Bildmaterial:

 

BEISPIEL 1 – Karin Wess // Instagram: 

 

Emotionales Marketing bei Instagram

 

 

 

 

Und da die meisten Unternehmen ja keine One-Man(-Woman)-Show sind: einfach mal die MitarbeiterInnen in das Vorhaben mit einbeziehen. Macht eine Menge Spaß, schweißt zusammen und gibt den Menschen da draußen spannende Einblicke ins Unternehmen:

 

BEISPIEL 3 – Werbeagentur querformat // Web + Web-News 

 

Emotionales Marketing in den Web News

Emotionales Marketing: Kommunikation + Text

 

Mein Gehirn liebt Bilder und das deine übrigens auch. Vor ein paar Monaten bin ich auf die spontane Idee gekommen, den Zuckermonstern adieu zu sagen. Also nix mehr Schokolade und Co., da mir der Zuckerkonsum zusehends Probleme machte.

Die ersten 4 Tage: Mein Gehirn spulte mir dauernd den Film ab, wie ich zu unserer Schoki-Kommode gehe, das Türchen öffne, den leckeren Schokoriegel öffne und mir die Leckerei auf der Zunge zergehen lasse. Die Bilder konnte ich sogar bei offenen Augen vor mir sehen.

 

Warum unserem Gehirn emotionales Marketing so gefällt

Wenn es denn Lust hat, kann es sich tausende Dinge merken. Sind Bilder im Spiel, wird die Lust sehr viel größer. Beispiel der Gegenvariante, also der „Och nö, darauf hab ich jetzt keinen großen Bock“-Stimmung meines Gehirns: Als mein Mathelehrer von einst die komplizierten mathematischen Formeln zum Besten gab.

Für die Kommunikation im emotionalen Marketing bedeutet das: Storys sind super geeignet, damit das Gehirn so richtig Lust auf „Das merk ich mir“ kriegt – so wie die Geschichte von Nils.

Du hast beim Lesen sofort Bilder vor Augen und erinnerst dich auch in drei Tagen noch an den lustigen Gesellen – und damit vermutlich ebenso an mich.

 

Nachfolgend ein paar Inspirationen für emotionales Marketing im Bereich Kommunikation und Text

 

© Kelly Sikkema by unsplash

 

==> Emotionales Marketing in Blogartikeln:

Diese Hardcore-Ratgeber-Artikel, naja, ich mag die nicht so. Ich lese und lese, puh, furchtbar langweilig und trocken wie Knäckebrot – klick und weg. Und wenn ich dann schon mal gezielt Infos zu einem Thema suche, eyeye, ertappe ich mich bei Folgendem:

Ich greife mir die gesuchten Infos ab, die es zu jedem Thema tonnenweise im Netz zu finden gibt. Ohne wirklich gute Story oder irgendein anderes Wow-Merkmal, ist mir der Verfasser jedoch so was schnuppe. Keine Ahnung, wer da schreibt, interessiert mich nicht und ich kehre auch nie wieder zurück.

Anziehend wird der Verfasser für mich erst dann, wenn mein Hirn und Herz mit emotionalem Marketing beglückt. Wenn er mich also fesselt und aus der Knäckebrot-trockenen Info-Flut heraussticht. Dann will ich neugierig wissen, wer das ist und trage mich sogar für den Newsletter ein.

BEISPIEL: healthyhabits.de //emotionales Storytelling Blog

 

==> Emotionales Marketing in Social Media:

In meinem Artikel „Social Media Kommunikation – 3 Beispiele zum Fremdschämen plus Geht-auch- besser-Tipps“ gibt es eine Menge Input dazu. Lies doch einfach mal rein.

 

==> Emotionales Marketing auf Web und im Über mich Text:

Auch hier gerne in meinen Themen-Artikel „Inspirationen für deinen Über mich Text – von originell bis einfach nur schön“ klicken.

 

==> Emotionales Marketing im Vertrieb:

Das ist jetzt nicht ganz mein Expertengebiet, dafür umso mehr das von Verkaufs- und Vertriebsexperte Dr. Martin Friedrich. 

Zitat Dr. Martin Friedrich:

„Beim Storytelling geht es in erster Linie darum, Informationen dramaturgisch zu bearbeiten und zu verdichten. Das heißt, Sie erzählen beispielsweise die Success Story eines Kunden nicht 1:1, wie sie sich tatsächlich abgespielt hat. Vielmehr greifen Sie den einen Aspekt heraus, der für Ihre Zielgruppe wirklich entscheidend ist, und erzählen die Geschichte aus dieser Perspektive.“

 

Besser kann man es nicht ausdrücken. Auch im Vertrieb ist Storytelling eine kreative Spielform des emotionalen Marketing. Wer es beherrscht, hat es um einiges leichter.

 

==> Emotionales Marketing – die Marken-, Unternehmens- oder Produktstory:

Bedeutet nichts anders, als seine Marke, Dienstleistungen oder Produkte mit Leben zu füllen. Greifbar, erlebbar, passend zur Unternehmensidentität, zum Warum, zur Vision und Mission. Oder um es mit den Worten von Ken Kesey (Schriftsteller) auszudrücken:

“To hell with facts! We need stories!”

Dabei kommt es entscheidend auf das Wie der erzählten Story an. Gut ist sie immer erst dann, wenn sie aus Ohren Augen macht (chinesisches Sprichwort).

 

Showdown mit Nils

 

Beim Thema Story fällt mir der gute Nils wieder ein. Dessen Story hat keine wirklich guten Inhalte, kein Happyend und keine Pointe – nur eine plötzliche Wende, und für die sorgt Nils selbst.

Youtube spielt mir sein drittes Video ab:
neue Choreographie und krasser Location-Wechsel. Nils hat sich in einen teuren Anzug geworfen, dazu eine karierte Weste unter dem Sakko und Einstecktuch im Knopfloch. Herzig, sieht er aus, der Nils.

Während er per Video zu mir spricht, latscht er durch eine stylische Hotelsuite (sapperlot!). Alles vom Feinsten dort. Dabei erklärt er mir, dass er immer wieder von seinen zahlreichen Kunden gefragt wird, was denn sein Background sei.

Und da diese Frage natürlich berechtigt ist, will er nun mir und auch allen anderen endlich mal erklären, wie seine Expertise in puncto Erfolg aussieht.

Ja, Nils, schon verstanden: 253 Follower auf deinem youtube-Channel. Supi Erfolg! Dabei ein bisschen auf dicke Hose machen und als Grünschnabel die Menschen veräppeln.

Ich wünsch dir weiterhin, dutzi …kreisch, viel Erfolg. Und nächste Mal bitte ein blaues Einstecktuch. Rot steht dir einfach nicht.

 

PS: Der Name des Storyhelden in dieser Geschichte ist frei erfunden.

 

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