„Uli, du bist nach Düsseldorf eingeladen. Zu einem neuen TV-Format für Welt der Wunder TV!“ Klingt ja zunächst nach einer bombastischen Nachricht. Daher ruft eine meiner Gehirnhälften auch hurra, zusammen mit dem Herz, das fünf Purzelbäume schlägt vor Freude. Die andere Gehirnhälfte aber, oh weh. Die ist gewohnheitsmäßig der kompetente Miesmacher in mir. Bestens konditioniert, mit über 30 Jahren Erfahrung im latenten Angsteinjagen. Meistens vor Dingen, die schrecklich ungefährlich sind.

 

„Wir fahren nach Düsseldorf“, teile ich der Miesmacherin und meinem Ehemann mit. Beide gucken mich mit großen Augen an und können es kaum fassen. Du willst was? In Anbetracht meiner Vorgeschichte ist das in etwa vergleichbar damit, als würde ich zu einer Mondlandung aufbrechen wollen. Eine Sensation auf ganzer Linie. Genau genommen bin ich selbst irritiert, als ich mich mit dieser Entscheidung für das Abenteuer festnagle. Doch wenn die Berufung so entsetzlich in einem brennt wie mir, kann das schon den einen oder anderen Berg versetzen – oder eben mich vom ländlichen Schwäbisch Hall in ein Düsseldorfer TV-Studio. Dort darf ich meine Gedanken zum Thema emotionales Marketing , gute Texte schreiben und Ghostwriting mitsamt meiner Geschichte in die Welt tragen. Weil Menschen sich brennend für persönliche Geschichten wie diese interessieren. Daher schreibe ich ja solche Storys.

Du willst erst mal neugierig gucken anstatt nachfolgende Story zu lesen? HIER geht’s zur Sendung “Wissen 4.1 – die Experten” // Welt der Wunder TV ansehen.

 

Freitag früh, 4.20 h

Der Wecker klingelt, für meine Begriffe viel zu früh. Deswegen bin ich auch so verwirrt. Noch viel mehr, als ich auf dem Weg in die Küche den ganzen Krempel sehe, der sich im Flur stapelt. Dabei habe ich den gestern ja selbst zusammengepackt.

Mein Mann Rüdi sieht meinen Gepäckhaufen eher gelassen. Als persönlich angeheuerter Chauffeur und Fotodokumentator hat er bei diesem Projekt sowieso andere Aufgaben, um die er sich kümmern muss. Daher macht ihm viel mehr Sorgen, warum Herta plötzlich nicht mehr mit ihm redet.

Herta ist unser Navi. Heute ist sie stumm und das lässt dem Rüdi keine Ruhe. „Warum redet sie nicht mit mir?“, fragt er sich verzweifelt? Was für eine überflüssige Frage. Sie würde sowieso nicht zu Wort kommen, da ich ja schon die ganze Zeit rede.

Gegen neun Uhr hat mein Chauffeur Hunger. Ein Rasthof muss es richten. Zwei viel zu dunkel geratene Hörnchen, staubtrocken im Abgang, und eine Tasse Kaffee später sind wir knapp 10 Euro los. Das fängt ja gut an. Als Frau mit dem größeren Gepäckanteil von uns beiden habe ich darauf die passende Antwort parat: Ich beiße wortlos in mein mitgebrachtes Käsebrot.

Gegen elf wird’s hektisch im Auto

Liegt an meinem Herzchen. Das ist noch nicht wesentlich viel in der Welt herumgekommen. Daher schlägt es sehr laut, als wir uns so langsam Köln nähern, das von unserer Fahrtrichtung aus gesehen vor Düsseldorf liegt. Die gemütliche Autobahn verwandelt sich damit schlagartig in ein Chaosareal. So was kennen wir hier auf dem Lande nicht. Unsere Autobahnen sind viel ländlicher. Die hier hat mindestens tausend Autobahnkreuze und noch mehr Fahrspuren – da wird sogar die stumme Herta konfus und gibt verwirrende Informationen von sich. Mist! Wir haben uns verfranzt.

Kurz danach taucht ein Schild auf: „Rechts abbiegen Richtung Köln Zentrum“

„Weiter geradeaus!“, so mein panischer (lauter) Schrei in Richtung Chauffeur. Vor lauter Schreck tut er, was ich sage (schreie). Besser für ihn. Nicht auszudenken, mit einer panischen Frau und der stummen Herta versehentlich in der Kölner Innenstadt zu landen.

Kurz vor 12 Uhr. Die gute Nachricht: Die Landeier sind in der richtigen Großstadt angekommen. Aufatmen, den Rest des Tages ausruhen, schlafen gehen. Gute Nacht Düsseldorf!

Next day – Herz klopft noch lauter als gestern

Da Rüdis nächster Einsatz als Chauffeur und Fotodokumentator noch ein bisschen hin ist, bleibt Raum für neue Jobs: Ehefrauen beruhigen. Die seine rennt aufgeregt in der Ferienwohnung hin und her. „Was soll ich jetzt anziehen? Das oder das?“ Bei der Frage wird klar, wie der umfangreiche Gepäckstatus zustande kommt.

Dass diese Angelegenheit so kompliziert wird, daran ist Aufnahmeleiter Hanno nicht ganz unschuldig. Er bestimmt, was ich anziehen darf: keine grellen Farben, kein Weiß, kein Schwarz, keine wilden Muster, keine kleinen Muster, keine Streifen. Ufff. Alles Worte, die vor 4 Tagen reine Verzweiflung in mir auslösten. Und da kommt schon Redakteur Marek ins Spiel. Herzallerliebst, der Marek. Keiner schreibt so kreative und lustige Mails wie er. Ob orangerot jedoch in die Kategorie „grell“ einzuordnen ist, weiß er jetzt so genau leider auch nicht. Wie gut, dass es die liebe Ariane gibt. Auch Redakteurin – und Frau! Das hilft manchmal entscheidend weiter. Sie kann mir die Frage bestimmt beantworten: „Zieh einfach das an, worin du dich wohl fühlst!“. Gute Idee!

Und so stehe ich mit orangeroter Hose und weißer Bluse (mit Muster) vor Rüdi. „Meinst du, Hanno kriegt einen Herzinfarkt, wenn ich so komme?“ Rüdi ist sich nicht sicher. Also entscheide ich mich kurzfristig für dunkelblau untenrum, grün obenrum.

Nach drei Stoßgebeten gen Himmel steht endlich eine fertig angezogene Frau vor Rüdi

Damit kann er seinem angestammten Job nachkommen: Mich von einem Düsseldorfer Fleck durch die riesige Großstadt zum nächsten Fleck zu chauffieren. Herta gibt alles (wenn auch nach wie vor stumm).

Wir haben es geschafft und stehen vor dem Studio. Juhu! Danach startet eine Umarmungsorgie: Ariane umarmen. Marek umarmen. Dann kommt Hanno ums Eck: „Wir haben Spaß jetzt“, begrüßt er mich gut gelaunt. Aber gerne doch.

Meine drei Mitstreiter-Gäste für die heutige Sendung tauchen auf. Damit ist die Runde komplett und versteht sich sofort prima. Wie von Hanno angeordnet, haben wir Spaß. Lärmpegel im Raum: ungefähr ein Presslufthammer.

„Frau Ulrike, bitte in die Maske“

Ich lege meine „Vor-Aufregung-nur-drei-Stunden-geschlafen-Augenringe“ in Nadines erfahrene Hände. Sie zaubert sie im Nu weg. Dafür bin ich Nadine sehr dankbar. Zurück in den Aufenthaltsraum. Lärmpegel-Zwischenstand: zwei Presslufthämmer.

Herr Tontechniker kommt mit dem Mikro an. Aufgrund des Lärmpegels verständigen wir uns in Zeichensprache. Ich verstehe so viel, dass mein Blüschen obenrum ein bisschen dünn ist. Da hält das Mikro wohl schlecht. Er wurschtelt eine Weile an dem Mikro herum und ist mit dem Ergebnis dann außerordentlich zufrieden.

Plötzlich ebbt der Lärm ab. Was ist nun los?

Ah, Moderator Hendrik betritt die Räumlichkeiten. Er stellt sich vor und mein Herzklopfen verfliegt schnell, weil er so ein Netter ist. Mit dabei in der Vorstellungsrunde: Produzent Frank. Sinngemäß erklären sie uns dasselbe wie Hanno, nur in anderen Worten. Dass wir schon längst mittendrin sind, müssten sie dem Gelächter entnommen haben, das aufgrund der Lautstärke durch halb Düsseldorf hallt.

Jetzt ist Markus dran. Anhand seines schweren schwarzen Rücksackes erkenne ich sofort, dass das unser offizieller Set-Fotograf sein müsste. Rüdi hat auch so ein schweres Teil. Damit haben sich zwei Fachmänner gefunden, die sogleich über die neuste Fototechnik plaudern. Als sie damit fertig sind, lauern dann halt zwei Fotografen mit ihren Geräten und einer gehörigen Portion Schalk im Nacken auf uns. Fast wie auf dem roten Teppich.

Wir Gäste sollen nach draußen gehen – Gruppenfotos machen. „Allesamt die rechte Schulter bitte weiter nach rechts“, weist Markus uns an. Rechts … links, äh, gar nicht so einfach. Schon wieder Gelächter, weil wir alle vergessen haben, wo rechts ist. Nerven wie Drahtseile, der Mann. So kenne ich das auch von meinem Fotografen.

Weiter ins Studio. Dort stehen auch ein paar schwarze Kameras herum.

Im Gegensatz zu den Fotografenkameras sind die beim Einsatz aber so was von mucksmäuschenstill. Kann man von Rüdis Gerät nicht behaupten. Sein „klick“, „klick“ gleicht einem Donnerhall. Führt dazu, dass Herr Toningenieur mehrere Atemaussetzer hat und der Rüdi während der restlichen Aufnahmezeit nicht mehr klick machen darf.

Zwischen den Drehsequenzen Hannos bekannte Anweisung: „Wir alle haben jetzt Spaß“. Ansonsten läuft das hier aber so ab: Der Hanno sagt jedem, was er jetzt genau tun soll. „Kamera eins bitte soundso!“ „Hendrik, die Begrüßung bitte noch mal.“ Und zwar deshalb, weil Frank ihm das über einen Knopf ins Ohr zuflüstert. Außer Produzent ist Frank nämlich auch Regisseur und hat damit den vollen Überblick. Bevor der Gast links von mir an der Reihe ist, muss ich dringend aufs Örtchen.

„Schalt bitte mal den Ton von Uli ab“, ruft jemand zum Toningenieur. Meine Rettung!

Als ich wiederkomme, wartet ein ganzes Produktionsteam samt Moderator und Gästen nur auf mich. Eine Art von Aufmerksamkeit, die mir die Schamesröte ins Gesicht treibt (dank Nadines Wirken, aber Gott sei Dank nicht zu sehen ist).

Nach sehr viel weiterem Spaß und Erzählen meiner Unternehmensgeschichte ist die Aufzeichnung im Kasten. Wir sind happy. Am meisten Rüdi, da er jetzt wieder fotografieren darf. Ein Sektchen gefällig? Au ja, rufen alle und stoßen auf das gelungene Pilotprojekt „Wissen 4.1 – die Experten“ für Welt der Wunder TV an.

Ich hätte schwören können, lauter als zwei Presslufthämmer ist schier unmöglich. Wir toppen das zum Abschluss mit links und gehen damit in die Düsseldorfer Geschichte ein. Und bestimmt nicht nur deswegen.

Was das alles auch mit dem Thema Nische finden zu tun hat, kannst du in meinem Artikel “Wenn du deine perfekte Top Nische finden willst: Suche innen statt außen!” lesen.

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