Wer fuchtelt da vor meiner Nase mit einer Knarre herum? Al Capone, Revolverheld oder was? Nichts von alledem. Nur ein Online-Marketer, der sich mal wieder ganz was Peinliches für sein Marketing hat einfallen lassen.

 

Zwischen Entsetzen und Lachanfall

Das Video muss ich mir daher unbedingt ein zweites Mal angucken. Da ich ein lustiger Mensch bin, gebe ich dem aufkommenden Lachanfall nach. Danke Facebook, dass du mir unermüdlich solche Kuriositäten in meine Timeline spülst. Meiner „Parade der Marketing-Peinlichkeiten“-Serie wird es damit niemals an Futter fehlen. Zurück zu unserem Revolverhelden.

Ein Revolverheld zeichnet sich durch was aus? Na klar, cool muss er sein. Sonst hat ja keiner Angst vor ihm. Daher ist eine Sonnenbrille ein unbedingtes Muss. Sie kann leider trotzdem nicht verhindern, dass seine Erscheinung an einen kleinen Jungen erinnert. Obwohl er sich „Person des öffentlichen Lebens“ nennt und schon mindestens hundert Jahre supererfolgreich Online-Marketer ist. Ich schaue ganz genau hin. Damit das alles noch viel cooler klingt, steht in seiner Beschreibung, dass er ein erfolgreiches Institut leitet und erfolgreicher Autor ist. Schade, dass ich Ihnen das Video jetzt nicht zeigen kann. Mich würde wirklich interessieren, wie Sie das sehen. Ich kann diesen Herrn (Buben?) keinen Meter ernst nehmen. Institut hin oder her.

 

Der blamable Cowboy

Als ich fünf Jahre alt war, hatte ich eine kurze Jungs-Phase. Nicht so, wie Sie jetzt vielleicht denken. Ich fand nicht Jungs toll, sondern wollte selber einer sein. Weil Jungs cooler sind als Mädchen. So meine Überzeugung damals, heute sehe ich das natürlich anders. Daher war seinerzeit klar, wie ich mich an Fasching verkleide: als Cowboy natürlich. Dann ging’s zum Kinderfasching. In meiner vollen (Zwergen)-Größe von ca. 115 Zentimetern baute ich mich vor einem Mädchen auf. Fuchtelte dann vor ihrer Nase mit meinem Spielzeugrevolver herum. Zusätzlich tat ich so, als sei ich der größte (coolste) Schurke des Wilden Westens. Scheinbar ist mir das wenig gelungen, besser gesagt gar nicht. Daran änderten auch Verkleidung, das Plastik-Pistölchen und meine gespielte Coolness nichts. Ich wurde zur Lachnummer des Nachmittags.

Wie soll ich das jetzt umschreiben: So ungefähr müssen Sie sich den Revolverhelden im Video vorstellen. Das wirft Fragen in mir auf. Viele, viele Fragen:

Was macht einen Helden zum Helden? Sonnenbrille und Spielzeugwaffe?
Wie viel Ahnung hat ein Online-Marketer vom Marketing?
Wenn sonst nicht mehr hilft, mime einfach den Revolverhelden?
Wie verzweifelt muss man sein?
Woher kriege ich außerhalb von Fasching ein Revolverheld-Kostüm?
Was, wenn ich keines kriege? Bringt das mein Unternehmen jetzt in ernste Gefahr?
Haben Sie eigentlich auch eine Plastikpistole zu Hause?

 

Entlarvung seltsamer Tatsachen

Es lässt mir keine Ruhe. Bei solchen Dingen will ich es immer genau wissen. Ich klicke auf die angegebene URL der Webseite des erfolgreichen Institut-Leiters. Ich wappne mich, in der nächsten Sekunde irgendwo im Wilden Westen des Online-Marketings zu landen. Stattdessen finde ich mich im technischen Nirwana wieder. Eine Meldung ploppt auf, die mich verwirrt. „Es wurde keine Startseite ausgewählt“. Welche Startseite? Gibt es im Wilden Westen mehrere oder was muss ich tun, um auf diese Webseite zu gelangen?

Der Rest der Meldung sieht schwer nach Error aus. Das macht die Sache noch dubioser, als sie eh schon ist. Ob man dabei so viele Millionen verdienen kann wie vorgespielt, kann ich mir kaum vorstellen. Wo die Eingangstür zum Institut virtuell quasi abgeschlossen ist.

Ich klicke das Video zum dritten Mal an. Da ich die Nebensächlichkeiten der Pistole und Verkleidens inzwischen kenne, kann ich mich auf andere Schwerpunkte konzentrieren, beispielsweise die Sprache des Revolverhelden. Ist mir vorhin noch gar nicht aufgefallen wegen dem Lachflash meinerseits. Wenn alle Helden so sprechen wie dieser, will ich niemals einer sein. Ich erkläre mir das so: Entweder, das gehört jetzt zur Rolle und er spricht absichtlich gespielt kindlich wie ein Fünfjähriger. Oder er ist immer so. Egal wie und nach Resümee aller niederschmetternden Tatsachen in dieser Angelegenheit steht für mich fest:

Revolverhelden sind einfach nicht mehr das, was sie mal waren.

 

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