Ein heißer Sommertag im Juni. Ich sitze in kurzen Hosen und Trägershirt (dem Homeoffice sei Dank) an meinem Schreibtisch. Dabei fallen mir alte Dokumente in die Hände – Blogartikel von anno dazumal. Neugierig riskiere ich einen Blick und kann das echt nicht lange angucken. Wer hat diesen Blödsinn erfunden? Ach so, ich war das!

 

Frauen kennen das. Wir kaufen Klamotten, beim Anprobieren sind wir noch hell entzückt. Im Nachgang fragen wir uns dann perplex, was uns beim Kauf nur geritten hat. Für dieses Kleidungsphänomen habe ich bis heute keine Erklärung. Für die Content-Schande schon.

 

Alle machen’s so

„Du musst den Leuten Tipps geben. Und vergesse ja die Call to Action nicht!“ Objektiv gesehen, gibt es an meinen damaligen Beiträgen nichts fremd zu schämen (ich hatte beim Lesen trotzdem einen roten Kopf). Ich würde sie eher als Massenware bezeichnen. Alle praktizieren das so – damals wie heute.

Irgendwann einmal war ich aber ja ein Frischling. Von der Texterschule direkt ins praktische Werbetexterleben geworfen. Ich machte also alles, was alle sagten. So auch bezüglich Machart meines Contents, und nicht nur diese Angelegenheit betreffend. Typisches Herdenverhalten: Alle rennen in eine Richtung, also läuft man für gewöhnlich erst mal mit. Weil gegen den Strom zu schwimmen schon einiges an Mut braucht.

Ich brauchte indes zunächst ein großes Stück Erfahrung, damit kam langsam die „Alte Hasen-Gelassenheit“ über mich. Tapfer stellte ich mich das eine oder andere Mal mit dem Rücken zur Masse und lief ein paar Meter entgegengesetzt. Leider nie konsequent.

 

Aktueller status quo: So, wie ich will!

Mit knapp fünfzig, nach zehn intensiven Jahren und tausender kreierter Werbetexte, vernehme ich ein deutlich penetrantes Flüstern im Ohr. Meine Berufung. Nicht das erste Mal, dass sie mir was flüstern will.  „Du schon wieder?!“ Statt entsetzt reagiere ich erleichtert. Ich spüre schon eine Weile eine latente Unzufriedenheit, packte die aber kategorisch zur Seite mit dem Argument „Papperlapapp“. Jetzt, da die Berufung mich noch mal so nett darauf aufmerksam macht, wird mir sehr warm ums Herz.

Ja, das ist es. Ich bin angekommen. „Hurra!“, entgegnet die Berufung und macht fünf Luftsprünge vor Freude. „Endlich hat sie es begriffen!“ Authentische Geschichten von Menschen erzählen, nahbar und ehrlich. Das ist meine Welt – im Gegensatz zu meiner vorherigen, der Werbewelt, mit kuriosen Ausuferungen: Samstagabend zur besten Sendezeit. Ich sitze vor dem TV. „Schatz, ich hab eine Erkältung“, stöhnt sie. „Halt durch Schatz“, antwortet er besorgt. Und fliegt ihr per Helikopter SOS-mäßig ein Erkältungsmittel ins Büro. Liebe Werber, liebes Unternehmen: Wollt ihr mich veräppeln? Ne, nicht mehr meine Welt.

 

Gradmesser Herz (und Spaß)

Als Teenager war ich lustig drauf. Für meine Eltern weniger lustig. Egal, was sie sagten: Ich machte immer das Gegenteil. Das Teenager-Revoluzzer-Gen, das in jedem von uns schlummert. Nicht zu verwechseln mit dem Berufungs-Gen. Ich mache es jetzt nicht anders, weil ich ein bisschen revoluzzern will. Das ging schon als Fünfzehnjährige schief. Ich mache es einfach so, wie es sich für mich herzklopfend goldrichtig anfühlt – unabhängig davon, was die anderen sagen oder tun:

Ich mach es anders – manchmal zumindest

Statt klassisch langweilige Über mich Texte verfasse ich lieber Porträts. Und meine Blogartikel enthalten Geschichten und Storys, auf meine ganz eigene Weise erzählt. Ähnlich handhabe ich es auch mit meiner Social Media Kommunikation. Und da ich als Fotografen-Gattin direkt an der Quelle sitze: mit jeweils auffallendem Schwarz-Weiß-Foto. Auch nicht gerade gängig, dafür einzigartig. Was für ein Spaß, wenn wir dazu unser Wohnzimmer spontan in ein Fotostudio verwandeln.

Spaß – das war es doch, was das Leben machen soll, oder? Sehe ich auch für die Arbeit und das eigene Marketing so. Daher weiß niemand außer mir selbst, welcher Weg zu mir passt. Leichtigkeit statt sich rumquälen müssen, so mein Motto.

Am Ende sei mir die neugierige Frage erlaubt? Wie mutig bist du?

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