„Ich hab soundsoviele Abonnenten“ (stolzer Blick!), schwärmte neulich eine Kandidatin bei irgendeiner Castingshow. Hey, unter soundsovielen Abonnenten oder Fans bei Facebook brauchst du mal gar nicht mitmischen. Babykram! Oha, dann bin ich wohl eine, die zu diesen Babykram-Losern zählt.

 

Eine trockene Scheibe Brot, wow! Nein, nicht mein Abendessen, sondern ein „Kunstwerk“ auf Instagram, zack mit dem Handy festgehalten. Und das auch noch grausam schlecht. Ich scrolle weiter. Jetzt will ich schon wissen, was sich die Dame mit 1.400 Abonnenten (1.400!) noch alles bei ihrer very special Social Media Strategie hat einfallen lassen.

Ah ja. Fünf Bilder weiter muss ich dreimal hingucken, bis ich die Kunst begreife. Sieht aus wie ein Blumentopf voll knochentrockenem Dreck (Erde?) – aus der Vogelperspektive fotografiert. Voll hübsch (immerhin: 24 Likes)! Wonderful Instagram.

„Ich hab soundsoviele Abonnenten“ (stolzer Blick!)

Schwärmte neulich eine Kandidatin bei irgendeiner Castingshow. Hey, unter soundsovielen Abonnenten oder Fans bei Facebook brauchst du mal gar nicht mitmischen. Babykram! Den Eindruck habe ich auch bei diversen Unternehmerinnen und Unternehmern. Auf die Größe und damit die Zahl der Abonnenten kommt es an! Dann, ja dann erst stimmt das Image. Damit die Menschen bloß nicht denken, man sei womöglich unerfolgreich in der Social Media Kommunikation.

Da es (in der Regel) furchtbar anstrengend ist, sein Netzwerk organisch auszubauen, gibt es die so genannten Schummelangebote: „Ich besorg dir alles, was du brauchst: Fans für deine Page, Likes, sogar Kommentare!“, so das verlockende Angebot. „Über Nacht per Fingerschnipp 5.000 Fans. Klasse, oder?“, wird die Verlockung untermalt, damit es noch viel entzückender klingt. „Nein danke, das ist illegal“, antworte ich seinerzeit als braves Mädchen. Ich ernte einen bösen Kommentar mit dem Seitenhieb, dass mir mein Image als Unternehmerin wohl nicht wichtig sei. „Und wie! Deshalb nein danke und tschüss!“

 

Posten bis zum Umfallen?

„Deine Fans wollen täglich was von dir sehen und lesen!“, mahnt mich ein Dienstleister, der uns Menschen zeigen (verkaufen) will, wie wir supererfolgreich auf Social Media werden. „Nö!“, antworte ich gelassen und habe ihm damit wohl den Schock seines Lebens verpasst. Er reagiert einigermaßen perplex. Auch so ein Ding: die Häufigkeit. Alle posten massenhaft und alle mehr oder weniger das Gleiche. Mein Gehirn funktioniert da so (und deines vermutlich auch): Es schaltet irgendwann ab, sonst wäre es arg überfordert mit den vielen Infos und Bildchen. Emotionales Marketing geht für mich anders.

Spätnachmittags, fünf Uhr. Ein Kontakt postet das dritte Foto des Tages, zusammen mit einem poetisch schlauen Spruch. Ich fühle mich davon ganz und gar nicht mehr unterhalten. Eher schlimm gelangweilt.

Und so investieren viele Menschen viel zu viel Zeit ihres Unternehmerdaseins für „Mehr Fans. Mehr Likes. Mehr Kommentare.“ Als wäre das der Gradmesser für den eigenen Erfolg. Wer sagt das? Ach so, die Anbieter für Social Media-Onlinekurse. Und zack, bin ich selbst darauf reingefallen. Mehr als einmal.

 

Fließbandarbeit

Ich mische auch mit bei diesem Social Media. Meine Fan-Zahlen sind eher mickrig. Neidisch schielte ich früher zu den Socialhelden mit vielen Fans und Likes und fühlte mich gleichzeitig furchtbar schlecht dabei. Bin ich zu doof, ein Versager, keine „richtige“ Unternehmerin und vor allem, verpasse ich vielleicht was, wenn ich das nicht hinkriege? Ganz schön viele negativen Gefühle auf einmal. Genau die sind es ja, die auch mich schon dazu verleiteten, den einen oder anderen sinnlosen Onlinekurs zu kaufen. Oder mich noch mehr einzulesen in Social Media, noch mehr zu probieren, noch mehr von allem. Um die vermeintliche Lücke auszugleichen.

Doch ehrlich gesagt habe ich keine Lust, stundenlang jeden Tag mit Social Media zu verbringen. Ich poste inzwischen nur dann, wenn ich Lust darauf habe – und mir etwas Brauchbares einfällt. Und das ist selbst für mich als kreative Schreiberin nicht so einfach. Wenn ich dran denke, ich müsste jeden Tag? Dazu wöchentlich, zack-zack einen Blogartikel raushauen, zusätzlich im gleichen Rhythmus meine Newsletter-Liste mit weiteren Inhalten bespaßen – Hilfe, Atemnot, Sauerstoffmangel! Mein kreatives Hirn braucht zwischendurch ja auch mal Ruhe. Es reicht ja schon, wenn es ständig die vielen Posts der anderen lesen muss.

 

Echte Kontakte

Durch Zufall würfelt dieses Social Media dann und wann einen besonderen Menschen in mein Leben. Passiert nicht jeden Tag – doch wenn, dann mit Donnerhall. Wir telefonieren und denken beide unabhängige voneinander „Wow“. Passt irgendwie alles, vor allem die Chemie. Dann geht es los mit dem very special Netzwerken: sich gegenseitig helfen, inspirieren, empfehlen. Miteinander und füreinander. Engagiert, mitreißend. Eine eingeschworene kleine Gemeinschaft, die sich gegenseitig Flügel verleiht. Tausendmal fruchtender als soundsoviele Fans auf einem Social Media Profil. Das brachte mir Stück für Stück wieder die Leichtigkeit zurück. Und die Gelassenheit, mich selbst, meine Ziele, meinen Erfolg nicht an irgendwelchen Kennzahlen in Social Media zu messen.

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